Als Kinder haben wir uns oft gegenseitig gefragt, welche wichtige Stellung wir gerne einen Tag lang inne hätten und was wir dann mit unserer "Macht" tun würden. Oftmals wollten wir König von Deutschland sein, alle Schulen abschaffen und dafür Sorgen, dass alle Kinder auf der ganzen Welt mehr als genug Bonbons zur Verfügung haben. Außerdem wollten wir alle diejenigen "loswerden", mit den wir Ärger hatten.

    Die beiden Brüder Jakobus und Johannes hatten auch ihre eigenen Gedanken, wenn es darum ging, eine besondere Stellung im Reich Gottes zu bekommen. Daher fragten sie Jesus eines Tages, ob sie nicht im zukünftigen Gottesreich einer zu seiner Rechten und einer zu seiner Linken sitzen dürften. Ja, man kann den beiden hier zu Gute halten, dass sie verstanden, dass Jesus als Gottes Sohn auf dem ewigen Thron Platz nehmen würde. Außerdem wollten die sie sich im Reich Gottes besonders engagieren und sich einbringen. Und beide dachten wohl, dass ihre Führungsqualitäten doch sicherlich auch von Jesus wahrgenommen wurden und er bestimmt nicht auf sie verzichten wollte. Nun, Jesus reagierte relaive milde auf die Bitte der beiden Brüder, machte aber auch unmißverständlich klar, dass ihre Bitte um eine Sonderstellung doch eher zweifelhaft war.

    Jesus erklärte seinen Jüngern schließlich, dass das Reich Gottes anders ist als die Reiche dieser Welt. In dieser Welt versuchen alle groß zu werden, um dann möglichst ihre eigenen Gedanken und Wünsche durchzusetzen. Dies ist dann oftmals mit Manipulation, Korruption und sogar mit Unterdrückung und Erpressung verbunden. Menschen in Führungs- und Machtpositionen erwarten, dass andere für sie arbeiten, ja, und manchesmal wird die Position ausgenutzt, um nocht weiter nach oben zu kommen. Aber Jesus sagt eindrücklich: "So soll es unter euch nicht sein, sondern wer unter euch groß sein will, der sei euer Diener; und wer von euch der Erste sein will, der sei aller Knecht." Jesus stellt hier auf eindeutige Weise die Machtverhältnisse im Reich Gottes auf den Kopf! Wer bei Gott groß sein möchte, der muss nach anderen Maßstäben leben und wirken, als sie in dieser Welt gelten. Gottes Reich ist geprägt von Nächstenliebe und Barmherzigkeit, nicht von Egoismus und Durchsetzungsvermögen! Gottes Kinder sind sich nicht zu Schade, niedrige Aufgaben zu übernehmen und die eigenen Interessen einfach einmal hintenanzustellen.

    Und damit alle wirklich verstehen, dass Jesus diese "verkehrte Welt" nicht nur von seinen Anhängern erwartet, sondern auch selbst praktiziert sagt er: "Der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele." Jesus ruft seine Jünger damals und uns heute dazu auf, seinem Beispiel zu folgen! Die Spuren, die unser Leben in den Leben unserer Mitmenschen hinterläßt, sollen auf unser großes Vorbild Jesus Christus hinweisen. So wollen wir in den Gesprächen, die wir führen, nicht tratschen und Schlechtes reden über Dritte, sondern Gutes und Erbauliches besprechen. Wir können jemanden im Krankenhaus oder im Pflegeheim besuchen und so eine Freude bereiten. Ja, auch das Telefon und eine einfache Postkarte können genutzt werden, um dem Nächsten in der Liebe Gottes zu dienen. Und natürlich wollen wir das Beten füreinander nicht vergessen, worin ein großer Dienst am Nächsten besteht.

    Zum Schluss dürfen wir auch nicht vergessen, was Jesus hier über sich selbst sagt. Einerseits setzt er sich selbst als Beispiel für ein Leben im Dienst am Nächsten. Er war nicht gekommen, um zu herrschen und sich dienen zu lassen, sondern um selber zu dienen, zu heilen, zu befreien, zu segnen, zu trösten, zu helfen und Gottes Gnade und Liebe zu verkündigen. Ja, und der größte Dienst, den er den Menschen im Namen Gottes tat, war, dass er sein Leben gab am Kreuz von Golgatha. Wir befinden uns mitten in der Passionszeit, und es ist eine gute Sache, sich in dieser Zeit das Leiden Jesu wieder neu vor Augen zu führen. Die Mission Jesu war es, die Menschen dieser Welt aus ihrer Gottesferne zu erlösen. Wir wissen, dass wir ohne die Verbindung mit Gott verloren sind - es fehlt uns dann einfach etwas elementares! Doch Jesus ist ganz bewußt für die Menschen in den Tod am Kreuz gegangen, um die Verbindung mit Gott wiederherzustellen. In Jesus ist der Weg zum himmlischen Vater offen. Jesus selbst hat alles unternommen, um alle Hindernisse aus dem Weg zu räumen. So finden wir am Kreuz die Vergebung unserer Sünden und die Gewißheit, dass unsere Fehltritte begnadigt sind. Das Kreuz Jesu ist der größte Liebesbeweis Gottes, der seinen eigenen Sohn gab, um uns Menschen zu erretten. Jesus hat sich für uns - und zwar einen jeden ganz persönlich - eingesetzt am Kreuz, damit wir Gnade und Vergebung finden. Es liegt nun an uns, diesen Liebesbeweis und Gnadendienst Gottes anzunehmen, indem wir im Gebet zum Kreuz gehen und dort vom Gekreuzigten begnadigt werden.

    So ruft uns unser Bibelvers einerseits dazu auf, dem Vorbild Jesu zu folgen und dem Nächsten ein Diener Gottes zu werden. Gleichzeitig hören wir aber auch die einladende Stimme Jesu, der uns immer wieder zu sich ans Kreuz ruft, damit wir Vergebung unserer Schuld und ein reines Gewissen bekommen können.


Der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.
Markus 10, 45
ANREGUNGEN
Deutsche Evangeliums Kirche
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